Wettbewerbsvorsprünge im War for Talents – YouTube als Instrument des Personal-Recruitings und Personal-Marketings für Speditionen


Icon Archive

Prof. Dr. Heike Simmet

Speditionen stehen wie alle Unternehmen im B2B-Bereich heute vor dem Hintergrund der ansteigenden Informationsüberflutung sowie dem immer deutlicher werdenden Bedeutungsverlust von Printmedien vor neuen Herausforderungen, wenn sie im „War for Talents“ den Kampf um die immer knapper werdenden Talente in der Logistikbranche gewinnen wollen. Heute bewerben sich die Unternehmen bei den High Potentials und nicht mehr umgekehrt. Der Arbeitgebermarkt hat sich zu einem Bewerbermarkt gewandelt. Diese Entwicklung wird in den kommenden Jahren durch die dynamischen Entwicklungen von Social Media noch weiter zunehmen.

Arbeitgeber bzw. Unternehmen sind heute gezwungen, an ihrer Attraktivität arbeiten, um potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen, sie von der Attraktivität ihres Arbeitsplatzes zu überzeugen und sie auch längerfristig an sich zu binden. Besonders wichtig ist dies für kleine und mittelständische Unternehmen, denn diese werden auf dem Arbeitsmarkt von den Bewerbern überregional in der Regel kaum wahrgenommen. Zudem verfügen kleine und mittelständische Unternehmen nicht über die finanziellen Ressourcen für Werbe- und Imagekampagnen zur Steigerung ihres Bekanntheitsgrades.

Nur wer im Netz durch konsequente Suchmaschinen-Optimierung  und Suchwort-Vermarktung  auf den vordersten Plätzen auf Google vertreten ist, hat heute eine Chance, von den sogenannten Digital Natives, d.h. von der Generation der nach 1980 Geborenen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Die Präsenz im Internet wird somit auch für Speditionen immer mehr zu einer strategisch relevanten Waffe im Wettbewerb. Das klassische Suchmaschinen-Marketing reicht aber für die Ansprache junger Zielgruppen nicht mehr aus. Erforderlich ist heute eine Präsenz auf den sozialen Plattformen, die von der jungen Zielgruppe besucht werden.

Die Detailauswertung der im Herbst 2011 vorgestellten Studie „Nutzung von Sozial Media in der Speditions- und Logistikbranche“ mit 168 enthaltenen Speditionsunternehmen unter der Leitung von Prof. Dr. Heike Simmet (Hochschule Bremerhaven) zeigte folgende Ergebnisse:

XING wird als allgemein akzeptierte Business-Plattform mit professionellem Anspruch von  52,4% der befragten Speditionen genutzt. Diese B2B-Plattform wird vor allem aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades und des gewährleisteten Datenschutzes bevorzugt. Fachforen folgen mit 28,6% auf Platz 2. Facebook besetzt mit 25,0% Platz 3. Das ein hoher Nachholbedarf im Aufbau von Social Media Kommunikationskanälen im Speditionsbereich besteht, zeigt sich an der Tatsache, dass fast ein Drittel der befragten Unternehmen hier noch gar nicht aktiv ist.

Studie Social Media in Spedition und Logistik: Welche Social Media Kommunikationskanäle nutzt Ihr Unternehmen bereits?

Der Nutzen von XING als Mittel des Personal-Recruitings und Fachforen als Quelle neuer Entwicklungen und Trends der Branche ist zweifelsfrei als sehr wichtig anzusehen. Lehrlinge und Nachwuchskräfte wird man auf XING  aber wohl kaum in ausreichender Zahl antreffen. Auch sind diese (noch) nicht an Fachthemen der Logistikforen interessiert. Bei der Nutzung von Social Media spielt erwartungsgemäß Facebook eine zentrale Rolle. Jugendliche sehen die Präsenz auf Facebook als Indikator für die Modernität eines Unternehmens an. Auf Facebook mochten sich Jugendliche über potenzielle Arbeitgeber vor allem informieren. Ein Dialog mit Unternehmen ist hingegen nicht erwünscht. You Tube wird hingegen von der jüngeren Zielgruppe auch als Dialogplattform bevorzugt. Der schlechte Platz von YouTube in der empirischen Erhebung ist wohl Verschulden des Images dieses früher überwiegend privat genutzten Social Media Kanals. Twitter ist in der Branche ebenfalls noch weitgehend unentdeckt. Hier wird das Potenzial zur ständigen Aktualisierung der eigenen Website durch laufend frischen Content noch verkannt. Daher werden auch YouTube und Twitter verhältnismäßig selten bespielt.

YouTube mit den größten unerschlossenen Potenzialen
In YouTube liegen für das Recruiting und Employer Branding als Instrument des Personal-Marketings die größten noch unerschlossenen Potenziale für Speditionsunternehmen. Gerade von jüngeren Zielgruppen werden immer mehr YouTube Videos anstelle von Textinformationen bevorzugt. Zudem lassen sich heute eigene Videos mit einem verhältnismäßig hohen Aufwand sogar selber leicht produzieren. Unternehmen aus anderen Branchen haben längst eigens aufgebaute YouTube Kanäle etabliert. In der Logistikbranche ist hier als Best Practice Beispiel die Frachtenbörse TimoCom zu nennen. In einem eigens gebrandeten YouTube Channel erzählt hier der Barfussmann Geschichten aus seinem Leben. Damit wird dem modernen Kommunikationsansatz des Storytellings in besonderem Maße entsprochen. Die Zielgruppe der Auszubildenden wird durch diesen Ansatz auch tatsächlich erreicht.

Beispiel für den Einsatz von YouTube als Instrument des Personal-Recruitings und Personal-Marketings: Frachtenbörse TimoCom mit dem Barfussmann

Unternehmen können mit  unternehmenseigenen Videos (Image-Videos) oder Mitarbeitervideos (Testimonial-Videos) einen authentischen Einblick in das Unternehmen  gewähren.  In selbst produzierten Clips lassen sich  Ausbildungsgänge, verschiedene Berufsfelder oder auch Stellenanzeigen darstellen. Diese Videos sollten in einen eigens gebrandeten Kanal eingestellt werden, um alle Videos zusammenhängend im Corporate Design präsentieren zu können. Zudem bietet ein eigener YouTube Kanal die Option des Abonnierens der aktuelle Uploads. Verlinkungen des Kanals zur Karrierewebsite des Unternehmens sind ebenso möglich wie das Einbinden von Videos auf der Unternehmenswebsite. Innerhalb eines solchen Kanals können Zuschauer Videos kommentieren, bewerten oder auch allgemeine Fragen zu Unternehmen stellen. Ziel ist der Aufbau eines Dialoges mit den High Potentials der Logistikbranche.

You Tube als Instrument des Personal-Recruitings und Personal-Marketings wird für Speditionsunternehmen im Kampf um die besten Nachwuchskräfte unerlässlich. Wer auf YouTube nicht zu finden ist, hat bei der jüngeren Generation als Arbeitgeber in Zukunft keine Chancen mehr.

Praxisworkshop Social Media meets Logistics

Am 04. Mai sowie am 01. Juni 2012 organisiert das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) gemeinsam mit Prof. Dr. Heike Simmet von der Hochschule Bremerhaven im Bremer Swiss Hotel  jeweils einen Praxisworkshop zum Einsatz von Social Media für Unternehmen der Logistikbranche.  Hier werden von Fachleuten und Experten auf diesem Gebiet auch individuelle Tipps und Ratschläge für den Aufbau einer Social Media Präsenz gegeben.

Flyer Social Media als Chance für die maritime Logistikbranche

Über Heike Simmet

Prof. Dr. Heike Simmet Hochschule Bremerhaven https://plus.google.com/+HeikeSimmet
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Dienstleistungsmanagement, Internet, Logistik, Marketing und Multimedia, News, Social Media abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Wettbewerbsvorsprünge im War for Talents – YouTube als Instrument des Personal-Recruitings und Personal-Marketings für Speditionen

  1. Goran Mladenovic schreibt:

    Guten Tag, Frau Simmet!
    Ich sehe, dass Sie sich wohl sehr gut im Bereich Social Media auskennen. Dieses wird ja auch zuhnehmend (erfolgreich) bei der Personalrekrutierung eingesetzt. Ich interessiere mich eher aus privater Sicht für Medien dieser Art, habe aber auch kurze Zeit für eine Unternehmen gearbeitet, dass auch Personalrekrutierung a lá Social Media betreibt und den „War for Talents“ weiter voran treibt. Was mir persönlich an diesen Medien auffällt, ist, dass wenig bis kein Dialog stattfindet. Bei Facebook und ähnlichen Diensten findet wohl ein Dialog statt, allerdings würde ich nicht gerade denken, dass ich da auf intelligente und inhaltsreiche Beiträge treffe. Insbesondere den Sinn von Facebook bei der Personalrekrutierung zweifele ich an, weil es eigentlich mehr für private Zwecke geeignet ist. Bei etwas gehobeneren Medien wie einen Blog stelle ich fest, dass auf diesen eigentlich wenig Dialog stattfindet. Ich habe mal bei Ihnen so einige Beiträge nach Kommentaren abgesucht und keinen gefunden, was mich aber nicht weiter verwundert, da ich selber 2 Blogs führe und feststelle, dass viele Leute einfach nur passiv konsumieren, vielleicht den Text überfliegen, nach interessanten Bildern suchen und dann auch schnell wieder verschwinden.
    Vielleicht irre ich mich, aber irgendwo kommt es mir persönlich vor, dass der Wert von Social Media in der Personalrekrutierung einfach nur propagiert wird, ohne dass da ein wirklicher Wert dahinter steckt oder auch Szenarios enstehen, die es so nicht geben sollte. Nehmen wir doch dieses „War for Talents“. Die Situation, dass es immer weniger junge Fachkräfte gibt, ist doch schon seit Jahren bekannt und spitzt sich doch immer mehr zu! Welchen Nutzen sollte es also bringen, wenn Unternehmen dazu veranlasst werden eine fast buchstäbliches Jagd auf junge Talente zu machen, während ältere, erfahrene und auch effektivere Arbeitskräfte auf dem Markt liegen gelassen werden. Irgendwo ergibt das doch keinen Sinn! Ich habe mal in einem Unternehmen mit extrem jungen Altersdurchschnitt gearbeitet und weiß wie wenig Effektivität und Know-How in so einem Youngstar-Team stecken kann und möchte so eine Erfahrung nie wieder machen.
    Würden Sie den sagen, dass man mit diesem „War for Talents“ den Unternehmen eine dauerhafte Lösung der immer knapper werdende junge Fachkräfte liefert? Aus meiner Sicht ist das einfach nur ein Zuspitzen der Lage und auch Bedarfsweckung für Social Media in der Personalrekrutierung.

    Gefällt mir

    • Heike Simmet schreibt:

      Hallo Herr Mladenovic, vielen Dank für Ihren Kommentar. Man muss bei den Anwendungen im Personalrecruiting bedenken, dass vor allem die Generation 50+, d.h. die Best Ager, zu den größten Wachstumsmotoren von Social Media gehören. Auch die erfahrenen Fachkräfte schauen sich also immer mehr auf den Social Media Kanälen nach attraktiven Postionen um. Letztlich ist es also in Zukunft für die Ansprache aller Altersgruppen wichtig, auf den Social Media Plattformen den Dialog mit potentiellen Bewerbern zu suchen und sich eine attraktive Employee Value Proposition zu erarbeiten.

      Gefällt mir

  2. Pingback: Gewinnung ausländischer Fachkräfte – Effiziente Ansprache türkischer Akademiker und Studenten durch Social Media | Prof. Dr. Heike Simmet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s