Überlebenswichtig für die Logistik: Investitionen in soziale Netzwerke


Prof. Dr. Heike Simmet und Leif Peters

Im 21. Jahrhundert stellt der Dienstleistungsbereich den bei weitem wichtigsten Wirtschaftssektor dar. Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Globalisierung und der Entstehung neuer Märkte ist ein deutlich steigender Wettbewerbsdruck zu verzeichnen. Vor allem sehen sich die Logistikdienstleister mit einer immer stärkeren und komplexeren Vernetzung entlang den Supply Chains durch neue Technologien und verbesserte Kommunikation konfrontiert. Neue globale Güterverkehrsnetze, die Seeverkehr, Straßen- und Schienentransporte sowie Binnenschifffahrt kombinieren, gehören mittlerweile zum Standard der Branche. Hier gilt es zu reagieren um sich im Wettbewerb differenzieren zu können. Deshalb rücken Fragestellungen der erfolgreichen Vermarktung der angebotenen Services immer mehr in den Vordergrund. Insbesondere die  Logistikbranche mit ihren vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), die vorwiegend im Business to Business (B2B)-Sektor tätig sind, benötigen neue und vor allem effiziente Möglichkeiten ihres Marketings.

Handlungsbedarf für Investitionen in soziale Netzwerke erkannt

Die traditionell sehr wichtigen persönlichen und direkten Vernetzungen von Information und Kommunikation in der Logistikbranche verlagern sich heute zunehmend in das Internet. Der virtuelle Raum im Internet wird wiederum immer mehr durch soziale Netze dominiert. Für die Akteure in der Logistikbranche ergeben sich durch diese Entwicklungen bislang noch weitgehend unerschlossene  Chancen, den Austausch zwischen den Netzwerkpartnern und entlang der Supply Chain zu beschleunigen und effizienter zu gestalten.

Dementsprechend erkennen immer mehr Unternehmen aus der Logistikbranche, dass Investitionen in die sozialen Netzwerke für sie unverzichtbar sind. Dies belegt eine 2011 durchgeführte Studie zur Nutzung von Social Media in Spedition und Logistik.

Prof. Dr. Heike Simmet: Studie Social Media in Spedition und Logistik Frage 7Abb. 1: Bedeutung des Einsatzes von  Social Media für Spedition und Logistik
(Quelle: Nutzung von Social Media in Spedition und Logistik)

Unterschätzung der Potenziale

Dennoch nutzt nur eine Minderheit die immensen Potenziale der sozialen Netzwerke voll aus. Viele Logistikunternehmen sehen angesichts der enormen Vielfalt von Social Media Plattformen und Anwendungen die immensen Vorteile der sozialen Netze noch nicht. Chancen der Profilierung im Wettbewerb werden verschenkt. Vor allem die Möglichkeiten des Aufbaus eines echten Dialogs mit den Kunden und Marktpartnern entlang der Supply Chain werden noch völlig unterschätzt. Anwendungsfelder der Kommunikation in Echtzeit zur Verbesserung des Kundenservices und die Entwicklung neuer Produkte/Dienstleistungen bis hin zur Erschließung neuer Geschäftsfelder werden die Diskussionen über Social Media in der kommenden Zeit bestimmen.

Ein unverzichtbarer Anwendungsschwerpunkt der Zukunft liegt im Personalbereich. Vor allem YouTube als Instrument des Personal-Recruitings und Personal-Marketings wird für Logistikunternehmen im Kampf um die besten Nachwuchskräfte unerlässlich. Wer auf YouTube nicht zu finden ist, hat bei der jüngeren Generation als Arbeitgeber in Zukunft keine Chancen mehr. Hier besteht noch ein erheblicher Nachholbedarf. Dementsprechend sehen 62,2 % der insgesamt befragten 398 Speditions- und Logistikunternehmen Handlungsbedarf bei ihren Investitionen in sozialen Netzen.

Prof. Dr. Heike Simmet: Studie Social Media in Spedition und Logistik Abb. 2: Handlungsbedarf für den Einsatz von Social Media
Quelle: Nutzung von Social Media in Spedition und Logistik

Dieser Nachholbedarf ist nicht nur in der Logistikbranche, sondern generell bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu konstatieren. Die Potenziale der gemeinsamen Wertschöpfung in der Produktentwicklung, der Erhöhung des Umsatzes und der Erfolgssteigerung im  Vertrieb sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Auch die Vorteile der Integration von Informationen über die Kunden und die Marktpartner in das CRM-System werden noch nicht hinreichend genutzt. Dies sind die Ergebnisse der aktuellen Studie „Social Media als Chance für kleine und mittelständische Unternehmen“ an der Hochschule Bremerhaven.

Der besondere Vorteil der sozialen Netzwerke für mittelständische Logistikunternehmen besteht darin, dass die jeweiligen Kernkompetenzen synergetisch miteinander verknüpft werden können. Ein über Social Media verbundenes Netzwerk ermöglicht es, dass alle an dem Netzwerk beteiligten Unternehmen voneinander profitieren und so eine Win-Win-Situation entstehen zu lassen.  Über die neuen Social Media Kanäle lassen sich Netzwerkpartner sehr effizient untereinander verbinden. Zugleich kann eine kostengünstige gemeinsame Außendarstellung der einzelnen Netzwerkpartner insgesamt erreicht werden.

Mittelstandskooperationen weisen den Weg

Als Best Practice Beispiel für ein erfolgreiches Kooperationsmanagement  durch Social Media in der Logistik lässt sich das KoLoS-Netzwerk anführen. KoLoS (Kooperation Logistik Spedition) ist eine 2010 gegründete Mittelstandskooperation, die gemeinschaftlich auf den zunehmenden Wettbewerb mit steigendem Preis- und Leistungsdruck, die Komplexität der Anforderungen im Supply-Chain-Management, die Dynamik bestehender Logistikprozesse und die sich verändernden Logistikprozesse durch Bündelung der Potenziale der einzelnen Speditionen reagiert. Hierdurch sollen unter anderem eine optimierte Kapazitätsauslastung und minimierte Leerfahrten durch Ladungs-/Teilladungstausch mit garantierten Zahlungszielen sowie erweiterte Angebotsprofile für alle Partner erzielt werden.

Zudem wird den Mitgliedern des KoLoS-Netzwerkes Social Media Content zur Verfügung gestellt. Denn nur wer im Netz durch konsequente Suchmaschinen-Optimierung, Suchwortvermarktung  durch Google Adwords und vor allem mit einem hochwertigen sowie stets aktuellen Social Media Content auf den vordersten Plätzen auf Google vertreten ist, hat heute eine Chance, von den sogenannten Digital Natives, d.h. von der Generation der nach 1980 Geborenen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Social Media als Instrument des Content-Marketings wird für Logistikunternehmen im Mittelstand unerlässlich. Wer auf Facebook, Youtube und Twitter nicht mit interessanten Beiträgen zu finden ist, wird von der jüngeren Generation in Zukunft mehr und mehr ignoriert werden.

Die Schere zwischen denjenigen Logistikunternehmen, die mit der rasanten technologischen Entwicklung durch die sozialen Netze Schritt halten, und den Nachzüglern in der Branche wird sich in Zukunft immer weiter öffnen. Heute gilt mehr denn je: Nicht die Großen werden die Kleinen, sondern die Schnellen werden die Langsamen fressen. Kleine und mittelständische Unternehmen in der Logistik, die an ihren klassischen Konzepten festhalten, haben in der neuen digital vernetzten Welt  auf Dauer keine Überlebenschance.

Mehr zum Thema soziale Technologien im Logistikmarketing auf meiner Facebook-Seite http://www.facebook.com/Logistikmarketing

Über Heike Simmet

Prof. Dr. Heike Simmet Hochschule Bremerhaven https://plus.google.com/+HeikeSimmet
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2 Antworten zu Überlebenswichtig für die Logistik: Investitionen in soziale Netzwerke

  1. Pingback: KoLoS-Netzwerk ist Best Practice Beispiel >> “Überlebenswichtig für die Logistik: Investitionen in soziale Netzwerke” « KoLoS-Netzwerk

  2. Oliver Steinke schreibt:

    Ein sehr aufschlussreicher Artikel, danke! Andere Brachen haben schon eher die Möglichkeiten der Sozialen Netzwerke erkannt. Es wird Zeit, dass der Logistikbereich dies nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern sich proaktiv und sinnvoll diese neuen Möglichkeiten erschließt. Der Artikel sensibilisiert für das Thema und ruft dazu auf, diese Chancen nicht ungenutzt zu lassen. Das KoLoS-Netzwerk ist als Best Practice Beispiel genannt, das freut uns sehr und bestärkt uns, diesen Weg konsequent weiter zu gehen.

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