Logistik auf dem Weg in das Zeitalter 2.0: Interne und externe Nutzung sozialer Technologien


Prof. Dr. Heike Simmet

Information und Kommunikation als elementare Bestandteile eines jeden Logistiksystems verlagern sich zunehmend in den virtuellen Raum. Dieser virtuelle Raum wird heute immer stärker durch soziale Software und soziale Netzwerke bestimmt. Die ansteigende Verbreitung dieser neuen Technologien hat bereits einen deutlich sichtbaren Wandel in den Interaktions-P­rozessen von Wirtschaft und Gesellschaft bewirkt.

Vor allem in der jüngeren Generation ist die Nutzung dieser neuen sozialen Informations- und Kommunikationstechnologien mittlerweile zum selbstverständlichen Standard avanciert. In den Unternehmen der Logistikbranche ist man hingegen sowohl in der Nutzung sozialer Software als auch in der Nutzung sozialer Netzwerke noch zurückhaltend. Hier werden weitreichende Potenziale für die Effizienzsteigerung in logistischen Prozessketten noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Dies ist im Wesentlichen auf eine unzureichende Information über die Nutzungspotenziale von sozialer Informations- und Kommunikationstechnologien zurückzuführen. Pauschaliert werden soziale Software und soziale Netzwerke gerne mit dem für den B2B-Sektor nur eingeschränkt nutzbaren Medium Facebook gleich gesetzt. Und dieses Instrument hat bekannter weise gerade unter Aspekten des Datenschutzes ein in der Branche fast durchgängig schlechtes Image.

Auch gibt es offensichtlich eine nur unzureichende Informationsbasis über die beiden Hauptanwendungsbereiche der neuen sozialen Informations- und Kommunikationstechnologien. Während soziale Software vorwiegend innerhalb der Unternehmen und  geschlossener Systeme entlang der Supply Chain eingesetzt wird, kommen die sozialen Netzwerke vor allem in der Außenkommunikation zur Anwendung. Es handelt sich hier um zwei unterschiedliche Anwendungsfelder, die jedoch auf dem gleichen Grundgedanken der Vorteilhaftigkeit einer Many-to-Many Kommunikation gegenüber der bislang dominierenden One-to-One-Kommunikation basieren. Das, was sich für alle mittlerweile deutlich sichtbar in der externen Kommunikation durch die viel zitierten Social Media abspielt, vollzieht sich spiegelbildlich in den internen Prozessen.

Soziale Software in der internen Kommunikation

Immer mehr Unternehmen anderer Branchen – allen voran die Unternehmen in der IT- und Telekommunikations-Branche – ergänzen ihre bisherigen Arbeitsabläufe und ihre interne Kommunikation durch ein Arbeiten in virtuellen Teams mit sozialer Software wie Wikis oder Blogs und ersetzen damit  hierarchische Strukturen durch das vernetzte Know-how der Mitarbeiter (Stichwort: Wisdom of the Crowd).

Grundlage ist eine mehr oder weniger offene Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens und das freie Teilen von Informationen. Ziel ist es, vormals isoliert ablaufende  Prozesse zu integrieren und Informationen als wertvolle Ressource sowie als immer wichtiger werdenden Produktionsfaktor frei verfügbar zu machen.  In diesem Zusammenhang spricht man auch vom Enterprise 2.0. 

Soziale Netzwerke  in der externen Kommunikation

In der externen Kommunikation spricht man hingegen vorwiegend von sozialen Netzwerken oder Medien.  Die sozialen Medien wie XING, Twitter und Facebook sind in der Logistikbranche zwar bereits angekommen. Es werden nach den Ergebnissen der Studie „Social Media in Spedition und Logistik“ bislang aber vor allem Anwendungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gesehen. Zudem werden Potentiale in der Optimierung des Kundenbeziehungsmanagements erkannt (54%). Genannt werden auch ein verbessertes Marken-/Produktimage und die Akquisition von Neukunden (43,5%). Es dominieren somit in der Branche klassische Public Relations und Marketinganwendungen als Haupteinsatzbereiche.

Interne und externe Nutzung sozialer Technologien, Prof. Dr. Heike Simmet, Hochschule Bremerhaven

Konsequenzen der Nutzung sozialer Informations- und Kommunikationstechnologien

Für die Logistikbranche ergeben sich durch diese Entwicklun­gen auf dem Gebiet der internen und externen Kommunikationstechnologien immense Chancen: Kollaborativ genutzte soziale Software-T­ools ermöglichen in Verbindung mit sozialen Netzwerken wie z.B. XING eine deutliche Beschleunigung der Prozesse entlang der Supply Chain durch Echtzeit-Kommunikation. Auch werden Synergiepotenziale durch eine verstärkte soziale Interaktion zwischen den Netzwerkpartnern erschlossen.

Um für den Wandel in das neue Zeitalter 2.0 gerüstet zu sein, sind Investitionen in neue Software-Tools sowie in den Auf­bau einer adäquaten Präsenz in den sozialen  Netzwerken erforderlich. Darüber hinaus ist der netzwerkorientierte Wandel auf allen Organisations-Ebenen innerhalb der Logistikbranche zu voll­ziehen. Erforderlich ist eine neue Kultur des systemischen Denkens, welche die Potenziale der sozialen Interaktion auf den neuen Plattformen innerhalb und auch außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen bewusst fördert und vorantreibt.

Logistiker stehen vor einer historischen Chance, die im Moment bestehende Wachstumsdyna­mik in der Branche durch einen zielgerichteten Einsatz der neuen sozialen Software-Tools und sozialen Netzwerke zur Erlangung von Vorsprüngen im globalen Wettbewerb für  sich zu nutzen.

Mehr zum Thema soziale Technologien im Logistikmarketing auf meiner Facebook-Seite http://www.facebook.com/Logistikmarketing

Über Heike Simmet

Prof. Dr. Heike Simmet Hochschule Bremerhaven https://plus.google.com/+HeikeSimmet
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Change Management, Dienstleistungsmanagement, Enterprise 2.0, Internet, Logistik, Social Media abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Logistik auf dem Weg in das Zeitalter 2.0: Interne und externe Nutzung sozialer Technologien

  1. Hans Bayartz schreibt:

    Guter Beitrag – und dennoch möchte ich für die Gründung eigener Sozialer Netzwerke (ob interne oder öffentliche) eine Lanze brechen:

    Beispeilsweise bei http://www.WEPS.AG kann man ohne eigene Programmier-Kenntnisse sowohl inhaltlichen wie optischen Einfluss auf sein eigenes Soziales Netzwerk nehmen.

    Sie haben jederzeit die Möglichkeit, Ihre Community selbst wieder zu löschen – ohne Kündigungsfrist, ohne Begründung, in Ihrer eigenen Community-Verwaltung – ohne Risiko – jederzeit – kostenlos – seriös.

    Heute schon sind diese Tools und Möglichkeiten in den Sozialen Netzwerken bei http://www.WEPS.AG integriert – mehr Infos dazu unter http://wp.me/psD2f-u6.

    Ganz wichtig erscheint mir, dass jedes Netzwerk anders kommuniziert und deshalb auch jeder seine eigenen Module, Tools und Software benötigt. Damit aber eCollaboration nicht in unendlich vielen Insellösungen endet, kann man sich jedes Modul, Feature, jede Software, die für Ihre individuelle Kommunikation in der Community wichtig erscheint, hinzu programmieren lassen – Beispiele dafür sind:
    – Projekt-Management-Tool
    – Virtuelle Messe – auch 3dimensional
    – Termin-Verabredungs-Tool
    – Shops
    – eLearning-Software z.B. ILIAS
    – Abrechnungs-Tools für Ihre Events
    – Börsen z.B. für Jobs, Kooperationen, Finanzen, usw.
    – Radio-/TV-Tool
    – Wissens-Management-Datenbank
    – WIKI
    – mindmapping
    – oder andere spezielle – auf Ihre und die Bedürfnisse Ihrer ZG abgestellte – Tools, Features, Software

    Das ist wohl der größte Vorteil eigener eCollaboration-Networking-Plattformen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s