Das digital-vernetzte Unternehmen – Ist das Social Enterprise eine Zukunftsvision?


Prof. Dr. Heike Simmet 

Immer mehr Unternehmen haben die ersten Stufen eines Lernprozesses im Umgang mit Social Media bereits erfolgreich durchlaufen. Sie setzen Social Media Monitoring Tools ein, haben Präsenzen auf den Hauptplattformen im Social Web aufgebaut und sammeln erste Erfahrungen mit einer weiterführenden Integration sozialer Informations- und Kommunikationstechnologien z.B. durch den Aufbau von Kunden-Communities. Die digitale Vernetzung macht folglich mehr und mehr sichtbare Fortschritte. Wie weit ist es jetzt noch bis zu einem Social Enterprise?

Die Diskussionen rund um das Thema Social Media haben sich in den letzten Jahren  stark ausgeweitet. Es handelt sich nicht mehr um ein reines Marketingthema. Vielmehr ist die Integration von Social Media längst zur priorisierten Managementaufgabe avanciert.  Denn die Professionalisierung von Social Media schreitet sowohl in der externen als auch in der internen Kommunikation von Unternehmen zunehmend voran. Auch zwischen Mitarbeitern und Kunden eines Unternehmens erfolgt immer häufiger eine interaktive Kommunikation im Social Web. Es entsteht ein offener Dialog im Dreiklang zwischen Unternehmen und dem Kunden sowie dem Mitarbeiter.

Frei verfügbare Information im virtuellen Raum

Kommunikation verlagert sich damit mehr und mehr in einen virtuellen Raum und dies sowohl auf öffentlichen und externen sozialen Plattformen wie Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn als auch auf geschützten internen oder halb-internen Kollaborations-Plattformen wie Yammer, Sharepoint oder Jive und Co. Innerhalb dieses virtuellen Raums sind Informationen weitestgehend frei verfügbar. Autorisierte Teilnehmer können jederzeit von jedem Ort und mit Hilfe unterschiedlichster Devices auf Informationen zugreifen, sie ergänzen oder verändern und weiter innerhalb des virtuellen Raumes verteilen.

Information als kollaborativ genutzter Produktionsfaktor 

Diejenigen Unternehmen, die bewusst die neuen sozialen Informations- und Kommunikationstechnologien zum Zwecke  einer derartigen digitalen Vernetzung einsetzen, befinden sich auf dem Weg zu einem sogenannten Social Enterprise.

Worin liegt nun die Kernidee vom Social Enterprise? Wodurch unterschiedet es sich von anderen Unternehmen, die Social Media bereits einsetzen?

Beim Social Enterprise steht die digitale Informationsvernetzung von Menschen als soziale Wesen im Mittelpunkt. Nicht das technisch realisierbare Informations- und Wissensmanagement, sondern vielmehr die soziale Interaktion und das Schaffen eines gegenseitigen Mehrwertes durch synergetische Effekte bilden die Grundlage eines solchen Social Enterprises.

Das  Social Enterprise betrachtet die Ressource Information als einen kollaborativ genutzten Produktionsfaktor. Die Information wird bewusst mit ihrem Korrelat der Kommunikation zu einer neuen Ganzheit verbunden. Dem Social Enterprise liegt somit ein ausgeprägt holistischer Ansatz zugrunde.

Produktive Effekte nachweisbar

Zahlreiche Untersuchungen zeigen mittlerweile die produktiven Effekte der Nutzung kollaborativer sozialer Plattformen für Unternehmen auf.  So ergeben sich nachweisbar positive Effekte in der internen Zusammenarbeit  von Mitarbeitern unterschiedlicher Abteilungen, Fachdisziplinen und Hierarchien auf einer gemeinsamen sozialen Kollaborations-Plattform. Vorteile sozialer Software für die interne Kommunikation konkretisieren sich vor allem in der steigenden Geschwindigkeit im Zugang von Wissen, der Reduzierung von Kommunikationskosten, dem beschleunigten Zugang zu internen Experten sowie in reduzierten Reisekosten, einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und reduzierten Operationskosten.

Ähnlicher Effekte können in der Zusammenarbeit mit externen Partnern bzw. Lieferanten im B2B entlang der Supply Chain realisiert werden. Bislang noch unterschätzte Anwendungsfelder der Nutzung von Social Media im B2B liegen in der Echtzeit-Kommunikation mit den Marktpartnern z.B. zur Erhöhung der Prozessgeschwindigkeit und Verbesserung des Kundenservices sowie in der gemeinschaftlichen Entwicklung neuer Produkte/Dienstleistungen bis hin zur kooperativen Erschließung neuer Geschäftsfelder.

In Bezug auf die externe Kommunikation spielen hingegen Faktoren wie Reduzierung der Kommunikationskosten, Steigerung des Umsatzes, Erhöhung der Effizienz des Kundenservices, Erfolgssteigerung im Personal-Recruiting und Personal-Marketing, Verbesserung in der Marktforschung sowie Erschließung von Innovationspotenzialen eine zentrale Rolle. Vor allem in den Bereichen  der Produktentwicklung durch Crowdsourcing und Open Innovation sind nachweisbare Erfolge unverkennbar. Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit daher in einen virtuellen Raum außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen. Eine integrative Kommunikation durch direkte Einbeziehung der Kunden entsteht.

Wettbewerbsvorteile realisierbar

Die mit der Veränderung der Kommunikationskultur in einem digital-vernetzten Unternehmen bewirkte Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit und Anpassungsflexibilität verhelfen Unternehmen zu deutlichen Wettbewerbsvorteilen. Digital-vernetzte Unternehmen sind in der Lage, innovative Entwicklungen unmittelbarer und konsequenter aufzunehmen und umzusetzen. Sie können disruptive Innovationen selber wesentlich leichter hervorbringen bzw. sich deutlich schneller an die hierdurch entstehenden neuen Geschäftsmodelle anpassen.

Neue Informations- und Kommunikationskultur erforderlich

Mit den Entwicklungen zum Social Enterprise ist ein tiefgreifender Wertewandel innerhalb der Unternehmen verbunden, denn klassische Hierarchien und  durchstrukturierte Prozesse mit festen Informationsregeln und Verteilersystemen kollidieren mit der neuen Form der Zusammenarbeit im Social Enterprise.

Dieser Wertewandel muss sowohl Top-down vorgelebt als auch Bottom-up praktiziert werden. Nur so können die neuen Werte Transparenz, Offenheit, Glaubwürdigkeit und Authentizität zu den zentralen Erfolgsfaktoren einer effizienten und zielgerichteten Informations- und Kommunikationspolitik avancieren.

Es ist somit die Etablierung einer neue Informations- und Kommunikationskultur in den Unternehmen erforderlich. Dies wird in vielen Unternehmen nicht ohne Widerstände einführbar sein.

Social Enterprise bald keine Zukunftsvision mehr

Der Trend in Richtung eines digital-vernetzten Unternehmens lässt sich nicht mehr anhalten und schon gar nicht mehr umkehren. Vielmehr erfolgt eine sichtbare Beschleunigung in der Dynamik der Entwicklungen. Der Weg ist für viele Unternehmen noch weit – innovative Unternehmen haben hingegen längst bereits wertvolle Erfahrungen auf Teilgebieten sammeln können.  Diese Unternehmen setzen immer stärker auf die Grundidee einer kollaborativen Zusammenarbeit im virtuellen Raum und weiten die Anwendungsbereiche sozialer Informations- und Kommunikationstechnologien sukzessive aus.

Das Social Enterprise stellt daher schon bald nicht mehr lediglich eine Zukunftsvision dar, sondern rückt in greifbare Nähe.

Über Heike Simmet

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2 Antworten zu Das digital-vernetzte Unternehmen – Ist das Social Enterprise eine Zukunftsvision?

  1. Martin Bartonitz schreibt:

    Lieber Frau Simmert,
    ja, auch ich bin überzeugt, dass dieser Zug der neuen Vernetzung von Informationen nicht mehr aufzuhalten ist. Es wir einen weiteren Sprung in unserer Organisationswelt geben.
    Aber wir sollten nicht mit unserem Denken vor der Vernetzung von Enterprises und ihren Kunden und Lieferanten nicht halt machen. Denn diese Vernetzung geschieht auch gesellschaftlich, wovon auch unsere Regierungen profitieren werden. Aber auch hier wieder: Bitte nicht das Denken begrenzen.
    Sie sprachen den Wettbewerb an.
    Was, wenn wir am Ende eine komplett vernetzte Welt haben? Sollten wir es dann nicht endlich schaffen, anstelle uns die Köpfe einzuschlagen, gemeinsam unsere vorhanden Ressourcen gegen die Bedürfnisse informationell auszutauschen?
    Und wenn wir uns dann über unser beschränktes Denken in vorhandenem Geld hinwegsetzen, dann sprengen wir die künstlich gesetzten Mängel hinweg und sollten auch noch den letzten in seinen Grundbedürfnissen versorgen können.
    Ende mit Krieg und endlich Friede auf Mutter Erde? Diese Vision habe ich jedenfalls. Warum?
    Als die Einzeller begannen, sich zu Mehrzellern zusammenzuschließen, haben sie gelernt zu kooperieren. Hätten sie das nicht, würden nicht Milliarden von Zellen einen so komplexen Verbund wie den Menschen bilden können. Was die Zellen brauchten, war eine gescheite Informationsvernetzung. Das gab es Dank der Vernetzung von Nervenzellen und einiger anderen Tools. Und genau das haben wir nun, wie wir unschwer erkennen können, zumindest in den Unternehmen. Und wenn wir uns nun die einzelnen Unternehmen als unsere Organe vorstellen, steht das Bild einer global vernetzten Weltgesellschaft als ein großer Organismus vor meinem inneren Auge. Wo macht da Wettbewerb zwischen den Konzernen und Staaten noch Sinn?
    Ok, träumen wird man ja noch dürfen. Aber ich finde, es ist ein schöner Traum und es wert, erfüllt zu werden, oder?
    Viele Grüße
    Martin Bartonitz

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  2. Heike Simmet schreibt:

    Lieber Herr Bartonitz,
    vielen Dank für Ihren Nachdenkens werten Kommentar. Die Vision einer global vernetzten Weltgesellschaft, die von positiv und nachhaltig wirkenden Kräften gesteuert wird, ist ganz ohne Frage erstrebenswert. Leider sind auch gegenteilige Strömungen stark. Ein Entwicklungsschub in den Organisationen, der Wirtschaft und auch der Gesellschaft ist unaufhaltsam. Ich hoffe mit Ihnen, dass dieser Entwicklungsschub die richtigen Pfade finden wird.
    Viele Grüsse
    Heike Simmet

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