Kollaboratives Content-Marketing: Mehr Vernetzung erforderlich


In der digitalen Kommunikation wird der Erstellung von Content heute eine zentrale Bedeutung zugemessen. Die Potenziale eines kollaborativen Content-Marketings werden jedoch erst unzureichend ausgeschöpft. 

Kollaboratives Content-Marketing

Kollaboratives Content-Marketing bietet eine ressourcenschonende Möglichkeit, Content zu erstellen. Gleichzeitig können durch eine stärkere Vernetzung im Content-Marketing die individuellen Interessen und Sichtweisen der jeweiligen Zielgruppen effizienter integriert werden. Die Spannbreite der Zielgruppen eines kollaborativen Content-Marketings ist vielfältig. Mitarbeiter, Agenturen, Kunden, Influencer, Medien und Partner sind potenzielle Kooperationspartner.

1) Content mit Mitarbeitern

In der digitalen Kommunikation nimmt die Content-Produktion durch die Mitarbeiter eine zentrale Rolle ein. Vor allem Mitarbeiter im Marketing, in der PR und in den Social Media Teams sind mit dem Content-Marketing beauftragt.

Erst sehr zögerlich nehmen Mitarbeiter im Management die Aufgabe der Content-Erstellung war. So sind Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer, die selber aktiv bloggen oder twittern und eine eigene Facebook-Präsenz pflegen in Deutschland noch die Ausnahme.

Auch die Einsicht, dass zur Umsetzung von Social Business die aktive Einbeziehung möglichst vieler Mitarbeiter unterschiedlichster Abteilungen und Funktionsbereiche in den sozialen Medien erfordert setzt sich erst langsam durch.

Eine wirklich konsequente Umsetzung würde zudem alle Hierarchieebenen einbinden. Erlebnisse aus der Pförtnerloge gehören ebenso zum konsequenten Content-Marketing wie Videos der Azubis oder Blogbeiträge der Unternehmensleitung. 

2) Content mit Agenturen

Mittlerweile gibt es immer mehr Content-Marketing Agenturen. Generell kann die Empfehlung gegeben werden, die Content-Produktion nicht komplett an solche spezialisierten Agenturen auszulagern. Denn ein vollständiges Outsourcen würde eine in Zukunft erfolgsentscheidende Dialogkompetenz nach außen gegeben. Zudem erweist sich fremder Content oftmals als wenig authentisch. Er verfehlt dann sein eigentliches Ziel.

Die Zusammenarbeit eines Unternehmens mit externen Agenturen sollte daher vor allem als Unterstützung im Sinne von Beratung und Coaching der eigenen Bemühungen angesehen werden. Lediglich bei speziellen Inhalten, die sich außerhalb des Kompetenzbereichs der Unternehmen bewegen ist ein reiner Kauf von Inhalten empfehlenswert.

3) Content mit Kunden

Statt der Impressionen der Unternehmen werden heute positive Expressionen der Kunden benötigt. Im Zuge des Trends zum User-Generated Content entstehen immer mehr Inhalte von den Kunden selber.

Dieser Content in Text-, Bild- oder Videoformaten findet sich zunächst auf den einzelnen Social Media Kanälen des Unternehmens, d.h. auf Facebook, Youtube, Twitter oder Pinterest verteilt.

Im Zuge einer kollaborativen Content-Produktion gilt es besonders wertvolle Inhalte der Kunden zu bündeln und mit dem eigenen Content zu verknüpfen.

In einer weiteren Entwicklungsstufe können diese Inhalte in der Social Cloud vom Unternehmen gebündelt und in die eigene Website integriert werden. Dies hat den Vorteil, dass ein Unternehmen wesentlich leichter eine Moderatoren- bzw. Kuratorenrolle ausüben kann.

Hierdurch wird es einfacher zu agieren und vor allem auch zu reagieren. Auch kann schneller und flexibler gehandelt werden. Zudem bietet das „digitale Eigenheim“ deutlich mehr Kontrollmöglichkeiten. Denn gerade beim User-Generated Content ist die rechtliche Situation und mögliche Haftung zu beachten.

4) Content mit Influencern

Der Content von Influencern stellt eine besonders wertvolle Bereicherung der eigenen Content Produktion dar. Die Einbindung von Influencern erfordert dabei jedoch ein besonders sensibles Vorgehen, das die unterschiedlichen Interessenslagen zum Beispiel von Bloggern berücksichtigt.

Der Aufbau von Blogger Relations ist dabei als ein langfristiger Prozess des Beziehungsaufbaus zu verstehen. Er erfordert eine strategische Vorgehensweise, die durch vielfältigste operative Maßnahmen, die zum Beispiel persönliche Kommunikation, Blogger Treffen und gezielte sowie neutral gestaltete Informationsübermittlung unterstützt werden kann.

5) Content mit Medien

Die kollaborative Content-Produktion erfolgt vor allem durch die Zusammenarbeit im Rahmen der Social PR. Es kommt hierbei darauf an, die Medien als Interaktions-Partner einer neuen Social PR und nicht lediglich als Empfänger von Unternehmensbotschaften über soziale Kanäle zu verstehen.

Eine neue wichtige Rolle spielen die Medien aber auch im Zuge der neuen Content Curation d.h. bei der Zusammenstellung von aktuellen Medieninhalten. Hierzu leisten die neuen Content Curation Tools wie zum Beispiel Flipboard oder Scoop it eine wichtige Hilfestellung.

6) Content mit Partnern

Im Zuge der zunehmenden Vernetzung der digitalen Kommunikation kann auch eine Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern auf horizontaler sowie auf vertikaler und auf lateraler Ebene zur Erstellung von Content genutzt werden.

So lässt sich beispielsweise auf horizontaler Ebene gemeinsamer Content im Rahmen von Kooperationen mit befreundeten Unternehmen oder auf vertikaler Ebene Content in Zusammenarbeit mit den Lieferanten erstellen. Zudem spielt auch die Content-Erstellung zum Beispiel durch Branchenverbände zur Unterstützung des Social Media Marketings der Mitglieder eine zunehmend wichtige Rolle.

Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen erweist sich eine Zusammenarbeit mit Partnern als der Königsweg des Content-Marketings. Denn bei KMU limitieren die vorhandenen finanziellen, personellen und organisatorischen Ressourcen das eigene Content-Marketing besonders stark.

Vielversprechend sind daher auch systembezogene Wege der kollaborativen Content-Produktion wie zum Beispiel im Rahmen von Franchisesystemen. Auf diesem Wege können selbst  kleine Unternehmen wie zum Beispiel im Handwerk in ihrem Social Media Marketing unterstützt werden.

Kollaboratives Content-Marketing als Motor im Social Business

Die Professionalisierung von Social Media schreitet immer mehr voran. Die digitale Kommunikation mit unterschiedlichen Koalitionspartnern eines Unternehmens bildet hierbei einen ganz wesentlichen Kern im neuen Social Business.

Eine aktive Einbeziehung dieser Koalitionspartner im Rahmen des kollaborativen Content-Marketings ist daher nicht nur ressourcenschonend. Sie trägt zugleich dazu bei, die soziale Vernetzung eines Unternehmens intern und extern weiter voranzutreiben. Sie kann auf diesem Wege als ein neuer Motor im Social Business fungieren.

Zentrale Voraussetzung für ein kollaboratives Content-Marketing bildet das Vorhandensein von Vertrauen unter den Koalitionspartnern. Denn ohne Vertrauen fehlt nicht nur die Motivation, sondern auch die Legitimation für ein gemeinsames Vorgehen. Dieses Vertrauen muss im Vorfeld also erst aufgebaut werden.

Einordnungen von Content-Marketing

Das kollaborative Content-Marketing ist daher in eine übergreifende Content-Strategie einzubinden, die wiederum einen Teil eines umfassenden Konzeptes der digitalen Kommunikation im Rahmen des Social Business darstellt.

Weiterführende Links:

Simmet, Heike, Die 4 C´s der digitalen Kommunikation: Content, Context, Cooperation und Collaboration, in: https://hsimmet.com/2014/01/05/die-4-cs-der-digitalen-kommunikation-content-context-cooperation-und-collaboration/

Simmet, Heike, Context Marketing: Mehr Effizienz durch die richtige Logistik von Content, in: https://hsimmet.com/2014/01/22/context-marketing-mehr-effizienz-durch-die-richtige-logistik-von-content/

Simmet, Heike, Acht Trends für die digitale Kommunikation für 2014, in: https://hsimmet.com/2013/12/27/acht-trends-in-der-digitalen-kommunikation-fur-2014/

Simmet, Heike, Sechs Phasen im Prozess des Content-Marketings, in: https://hsimmet.com/2012/05/01/sechs-phasen-im-prozess-des-content-marketings/

Simmet, Heike, Blogger und Blogger Relations im Influencer Marketing, in: https://hsimmet.com/2013/11/28/blogger-und-blogger-relations-im-influencer-marketing/

Autor: Prof. Dr. Heike Simmet

Über Heike Simmet

Prof. Dr. Heike Simmet Hochschule Bremerhaven https://plus.google.com/+HeikeSimmet
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Internet, Marketing und Multimedia, Social Media abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Kollaboratives Content-Marketing: Mehr Vernetzung erforderlich

  1. Danke für diese schöne Übersicht! — Jehr mehr Quellen für Content zur Verfügung stehen, desto wichtiger wird das Management dieser Quellen. Dabei geht es um mehr als nur Content-Sourcing. Inhalte müssen identifiziert, selektiert und im Einklang mit Unternehmenszielen aufbereitet und vermarktet werden. Die Funktion eines „Content Stategen“ an der Schnittstelle zwischen allen Content-relevanten Bereichen wird hier zum erfolgkritischen Faktor.

    Gefällt mir

  2. Heike Simmet schreibt:

    Herzlichen Dank für Ihr Feedback. Das Content-Management als Schnittstellenfunktion gewinnt bei ansteigendem Ausmass an Social Collaboration stark an Bedeutung. Wichtig ist, dass alle Strategieüberlegungen im Content-Management auf dem Interaktionsansatz im Social Marketing basieren. Es müssen also auch neue Organisationsformen entwickelt werden.

    Gefällt mir

  3. k_baltes schreibt:

    Klasse Einordnung, danke dafür! Ich arbeite in einem Branchenverband und bin dort gerade dabei den Social Media Auftritt aufzubauen. Kollaboratives Content-Marketing ist für uns also eigentlich elementar. Wir stehen aber ganz am Anfang. Haben Sie Tipps, wie ich die Zusammenarbeit effektiv starten kann? Vielleicht durch eine Steuerungsgruppe?

    Gefällt mir

    • Heike Simmet schreibt:

      Ich freue mich über Ihr positives Feedback. Die Erarbeitung gemeinsamer Ziele und Strategien in einem Workshop mit Vertretern unterschiedlicher Interessensgruppen sollte am Anfang stehen. Die Umsetzung könnte dann auf der Grundlage der erarbeiten Ergebnisse durch eine Steuerungsgruppe erfolgen.

      Gefällt mir

    • Ich habe mich vor einigen Jahren intensiv mit dem Thema „Mitgliederbeziehungsmanagement in Verbänden“ beschäftigt. Wichtige Erkenntnis: Verbände müssen wieder lernen, sich als Orgisation von Mitgliedern statt als Organisation für Mitglieder zu begreifen. Darin liegt auch der Schlüssel zu wertvollem Content, den Sie aus „den eigenen Reihen“ schöpfen können. Voraussetzung: neue Denkweisen und Organisationsformen im Verband. Vorstand, GF und Abteilungsleitungen spielen in diesem Veränderungsprozess eine zentrale Rolle.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s