B2B-Sharing: Wachstum und Effizienz in der Collaborative-Economy


Teile: Die Sharing Economy

Menschen bewegen sich mittlerweile immer selbstverständlicher im Internet und in den sozialen Netzwerken. Der Übergang vom Teilen von Informationen, Bildern und Videos zur weiterführenden Kollaboration mit anderen auf digitalen Plattformen und Marktplätzen ist fließend und eine logische Weiterentwicklung der Digitalisierung. Auch im B2B lassen sich durch die Umsetzung des Sharing-Prinzips attraktive Wachstumspotenziale und erhebliche Effizienzgewinne erschließen.

Anwendungsbereiche erweitern sich

Kollaborative Formen des Konsums haben mittlerweile sichtbar und spürbar Eingang in unsere Wirtschaftswelt gefunden. Das Spektrum der digitalen Plattformen und Marktplätze wird dabei zusehends größer. Immer mehr Wirtschaftsbereiche werden aus diese Weise Teil der neuen Sharing Economy bzw. Collaborative Economy.

Das von Jeremiah Owyang entwickelte Wabenmodell der Collaborative Economy (Honeycomb 2.0) umfasst neben den vom ihm zunächst identifizierten Hauptanwendungsbereichen Transportation, Space, Money, Goods, Food und Services nun auch die Bereiche Health & Wellness, Logistics, Corporate, Utilities, Municipal und Learning.

Collaborative Economy Honeycomb Ver

Honeycomb 2.0, click and access multiple sizes stored on Flickr,

Sharing als Megatrend

Letztlich wird in Zukunft jeder Wirtschaftsbereich Teil der Sharing bzw. Collaborative Economy werden, denn es handelt sich um einen Megatrend, dem sich kein Unternehmen auf Dauer mehr entziehen kann. Die Idee des Teilens und Kollaborierens ist den Kinderschuhen längst entwachsen und zu einem höchst attraktiven Business-Modell avanciert.

B2C-Sharing dominiert

In Deutschland konnte sich das Sharing-Prinzip vor allem im B2C-Bereich auf breiter Ebene bereits etablieren. Als besonders erfolgreich haben sich Angebote von Mobility-Services wie zum Beispiel im Car-Sharing und Bike-Sharing sowie das Wohnungs-Sharing durchgesetzt. Ein besonders starkes Wachstum wird im Finanzbereich gesehen. So werden in einer PWC-Studie beispielsweise für Peer-to-Peer Kredite und Crowdfundings Wachstumsraten von 63% bis 2025 prognostiziert. Mehr und mehr wird das Nutzen und Teilen zum Erfolgsmuster im B2C. Der disruptive Wandel wird für einzelne Branchen bereits immer offensichtlicher.

B2B-Sharing in den Startlöchern

B2B Unternehmen sind hingegen bislang noch durch das Denken vom eigenen Produkt her geprägt. Die erfolgreiche Entwicklung und Produktion qualitativ hochwertiger Produkte steht traditionell im Vordergrund. Natürlich arbeitet man mit ausgewählten Partnern zum Beispiel in der Supply Chain eng zusammen – eine echte Kollaboration unter Anwendung des Sharing-Prinzips findet man im B2B hingegen erst vereinzelt. Jedoch liegen gerade im B2B-Sharing immense aber bislang noch weitgehend unerschlossene Potenziale für Wachstum und Effizienz.

Beispiel Linde Material Handling

Gleichwohl gibt es mittlerweile auch im klassischen B2B Erfolgsbeispiele für die Nutzung der Prinzipien der Sharing Economy. So realisiert beispielsweise der Anbieter von Gabelstaplern Linde Material Handling bereits 80 Prozent seiner Wertschöpfung aus dem Sharing. Das Unternehmen versteht sich als heute als ein modern aufgestellter Dienstleister für Materialbewegung und nicht mehr als reiner Produzent von Gabelstablern. Nicht der Verkauf, sondern ein kundenindividuell ausgerichtetes Anbieten der Gabelstabler ganz nach Bedarf der Kunden steht im Mittelpunkt des Geschäftsmodells. Wichtig ist die langfristige Kundenbeziehung. Ein „Long Term Rental“ steht daher im Fokus der strategischen Ausrichtung.

Linde Material Handling ist exemplarisch für einen neuen Zeitgeist des Wirtschaftens im B2B. Nutzen statt Besitzen wird hier zur Basis des Geschäftsmodells. Denn was bei einer Dienstwagenflotte im Rahmen des Car-Sharings längst funktioniert, dass kann auch bei Gabelstablern oder Maschinen und Anlagen erfolgreich sein.

Kooperationspartner im Zeitalter des Internet der Dinge

Der durch die digitale Transformation bewirkte Wandel erfordert es nicht nur, seine eigenen Geschäftsmodelle zu überdenken, sondern auch völlig neue Modelle der Zusammenarbeit auf der Grundlage digitaler Plattformen und Marktplätze zu konzipieren. Denn im Zeitalter des Internet der Dinge wo alles mit allem und jedem überall vernetzt  ist, werden starke Kooperationspartner aus unterschiedlichsten Branchen in völlig neu zu schaffenden digitalen Ökosystemen benötigt.

Dieses neue Miteinander spielt sich in Zukunft mehr und mehr auf digitalen Plattformen und Marktplätzen ab. Der schnelle und effiziente Zugang zu vielfältigsten Ressourcen über mobile Devices, Apps und den Zugriff auf Cloud-Plattformen wird dabei unverzichtbar.

An den Wachstumsmärkten partizipieren

B2B-Unternehmen werden nur dann von den neuen digitalen Wachstumsmärkten partizipieren können, wenn sie das Thema Sharing ernst nehmen und zur Chefsache erklären.

Prinzipiell ist vom Kundennutzen und seinen Servicebedürfnissen her zu denken statt – wie traditionell üblich – das eigene Produkt an den Anfang und dann in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen.

Sharing-Konzepte müssen sich entwickeln, daher gilt es flexibel Schritt für Schritt und abteilungsübergreifend vorzugehen. Denn die Sharing-Welt verändert sich mit wachsender Geschwindigkeit, so dass Agilität und Anpassungsfähigkeit und nicht die typische deutsche Gründlichkeit und Langfristplanung als Erfolgsfaktor gelten.

Neues Miteinander auf digitalen Plattformen und Marktplätzen

Vor allem der B2B-Mittelstand muss sich den Herausforderungen der neuen Sharing bzw. Collaborative Economy jetzt stellen. Denn mehr denn je wird die Fähigkeit der Unternehmen, effizienter, schneller und flexibler wirtschaften zu können, durch ein neues Miteinander auf digitalen Plattformen und Marktplätzen bestimmt. Hier gilt es jetzt, den Handlungsbedarf zu erkennen und vorhandene Akzeptanzbarrieren abzubauen.

Der disruptive Wandel beschleunigt sich durch die stark anwachsende Zahl von digitalen Marktplätzen und Plattformen immer mehr. Unternehmen müssen sich mit der neuen Welt des Teilens und Zusammenarbeitens jetzt auseinandersetzen, wenn sie in Zukunft überleben wollen. Denn im digitale Wandel haben nur diejenigen Unternehmen Erfolg, die sich an den neuen Zeitgeist des Wirtschaftens anpassen können.

Weiterführende Links:

Dilk, Anja; Littger, Heike, Sharing Economy: Geteilt, geliehen, gewonnen, in: http://www.managerseminare.de/ms_Artikel/Sharing-Economy-Geteilt-geliehen-gewonnen,235238

Simmet, Heike, Sharing Economy: Intelligente Vernetzung als neues Erfolgsmuster, in: https://hsimmet.com/2014/11/16/sharing-economy-intelligente-vernetzung-als-neues-erfolgsmuster/

Simmet, Heike, Kundenservice in einer Sharing-Economy, in: https://hsimmet.com/2014/12/07/kundenservice-in-einer-sharing-economy-vom-klassischen-kundenservice-zum-peer-to-peer-marktplatz-service/

Simmet, Heike, Social Business im B2B: Connect –Share – Collaborate – Profit, in: https://hsimmet.com/2014/02/16/social-business-im-b2b-connect-share-collaborate-profit/

Simmet, Heike, Social Sharing: Motor für Wachstum und disruptiven Wandel, in: https://hsimmet.com/2013/04/07/social-sharing-motor-fur-wachstum-und-disruptiven-wandel/

Simmet, Heike, Kundendialoge in einer Shareconomy, in: https://hsimmet.com/2012/11/04/kundendialoge-in-einer-shareconomy-teilen-statt-besitzen/

Bildnachweis: @Fotolia, @Jowyang

Über Heike Simmet

Prof. Dr. Heike Simmet Hochschule Bremerhaven https://plus.google.com/+HeikeSimmet
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2 Antworten zu B2B-Sharing: Wachstum und Effizienz in der Collaborative-Economy

  1. Pingback: INJELEA-Lesenswertes 7. Juni 2015 - INJELEA Blog

  2. Toller Beitrag! Unternehmen müssen aufwachen und diesen Trend erkennen, denn Menschen werden so oder so immer mehr Produkte und Dienstleistungen voneinander erwerben. Unternehmen sind entweder dabei oder außen vor.

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